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Gunter „Guni“ Fetz
Wie wird man Wirt?

Tritsch, E-Werk, Kantine im Spielboden und jetzt der Jöslar. Gunter „Guni“ Fetz hat in seiner Laufbahn als Wirt schon unterschiedlichste Lokale geführt. Das Tritsch, „die verrauchte Räuberhöhle“ (O-Ton Guni), erreichte Kultstatus, die Kantine war ein Kultur-Hotspot, und mit dem Jöslar hat er einer Institution in Andelsbuch neues Leben eingehaucht. Im Interview spricht Guni darüber, wie man authentisch bleibt, über fehlenden Tatendrang in unserer Gesellschaft und über die Herausforderungen für einen Wirt am Land.

Du bist gelernter Konditor und hast mit 24 das Tritsch in Egg übernommen, wie kam es dazu?

Ich hab mir schon mit 18 oder 19 Jahren gedacht, dass ich gerne eine Bar hätte. Die Arbeit als Konditor hat mir eigentlich nie getaugt. Wir waren Stammgäste im Tritsch und irgendwann hat Luis (Anm.: Betreiber) gemeint, er wolle es verpachten. Da habe ich mir gedacht: Zum Anfangen gar nicht so schlecht. Ich hatte ja keine Ahnung von Gastro, wusste nicht mal, wie man einen „Weiß sauer“ zubereitet. Glücklicherweise hatte ich eine Bekannte, die mich eingeschult hat, und ja – dann habe ich es einfach gemacht.

Das Tritsch wurde zum Kultlokal – was braucht es dafür?

Ich weiß es nicht wirklich, weil ich das selbst eigentlich nie so gesehen habe. Erst als man mich in der Abschlussnacht auf Händen getragen und an die Decke geworfen hat, habe ich gemerkt: Offenbar hat es irgendwie gepasst. Im Tritsch waren wir wie eine große Familie. Und ich glaube, man muss als Wirt authentisch bleiben. Authentisch sein und bleiben will mittlerweile jeder. Ich würde es so definieren: Man muss einander auf Augenhöhe begegnen und nicht als „Verkäufer und Käufer“. Sonst ist sofort eine Distanz da. Wenn ich als Wirt nicht deiner Meinung bin, dann sag ich das und sage nicht immer „Ja“, nur um dir noch drei Bier zu verkaufen. Das nehmen die Leute wahr, und ich denke, das schätzen sie auch. Umgekehrt kann man auch mir die Meinung sagen. Ich lege keinen Wert auf großartige Höflichkeitsformen, trotzdem ist immer ein gegenseitiger Respekt da.

Man muss einander auf Augenhöhe begegnen und nicht als „Verkäufer und Käufer“.

Nach dem Tritsch hast du für fünf Jahre die Kantine im Spielboden betrieben, bist dann zurück in den „Wald“ und hast den „Jöslar“ übernommen. Wie wichtig sind solche Orte und Lokale für ländliche Regionen wie den Bregenzerwald?

Es ist schon wichtig für die Lebensqualität. Man hört manchmal, dass bei uns nichts los sei. Das verstehe ich ehrlich gesagt überhaupt nicht. Der Bregenzerwald und auch andere Regionen in Vorarlberg – was hier los ist, dass musst du in anderen ländlichen Gegenden erst einmal finden.

Du hast in der Stadt und am Land als Gastronom gearbeitet. Wo liegen die Unterschiede?

In einer Stadt hast du natürlich mehr Möglichkeiten und kannst auch ein Stück weit sturer sein, was dein Programm betrifft. Am Land musst du eher einen Mittelweg finden, um möglichst viele anzusprechen, denn das potenzielle Publikum ist einfach kleiner. Ich habe auch das Gefühl, am Land tut man sich mit „inhaltlichen“ Angeboten leichter. Wenn du fortgehst und erwartest, dass der Bär steppt, aber er steppt halt nicht, dann bin ich als Wirt irgendwie schuld und werde gefragt: Warum ist bei dir nichts los? Und ich kann nur sagen: Ich weiß es nicht, keine Ahnung! Wenn wir aber beispielsweise im Jöslar das Kino machen, weiß jeder genau, was ihn erwartet. Und wenn ihm der Film dann nicht gefällt, gibt er nicht mir die Schuld daran.

Mit den „Hans Bach Lichtspielen“, quasi im Tritsch entstanden, seid ihr seit Sommer 2018 auch auf Tour und macht Vorführungen an verschiedenen Orten gemacht.

Wir hatten damals einfach Lust, ein Kino zu machen, haben uns einen 35-mm-Apparat gekauft und uns um Lizenzen gekümmert. So hat es angefangen. 2011 kam dann die Umstellung von analog auf digital, also von 35 mm auf DCP – und so ein Projektor kostet doch einiges. Als Übergangslösung haben wir dann eine Zeit lang mit Blue Ray und DVD gearbeitet, aber irgendwann mussten wir umsteigen. Da haben wir gesagt: Dann richtig! Denn um einmal im Monat ein Kino im Jöslar zu machen, zahlt sich das nicht aus. Deshalb wollten wir das Wanderkino ausbauen.

Egal ob Tritsch oder Hans Bach – man hat einfach mal probiert bzw. angefangen. Wenn sich heute gerade auch jüngere Generationen beklagen, dass zu wenig los sei, denkst du da manchmal: „Dann macht doch selber was!“ Fehlt da der Tatendrang?

Das glaub ich nicht. Natürlich sind die Jüngeren heute anders, aber ich möchte kein Urteil fällen. Und die, die jammern, verstehe ich ja ohnehin nicht. Wobei: Eines fällt mir auf, und das kritisiere ich auch: Die Leute wollen heute unterhalten werden, wir wollten selbst zur Unterhaltung beitragen. Man erlebt es oft, dass Leute kommen und da sitzen, so nach dem Motto: Ich bin jetzt da, biete mir was. Aber das ist vielleicht mehr eine gesellschaftliche Frage als eine Generationenfrage.

Die Leute wollen heute unterhalten werden, wir wollten selbst zur Unterhaltung beitragen.

Du bist seit mittlerweile über 20 Jahren im Geschäft: Was hat sich verändert?

Das beinhaltet so viele Aspekte. Ich verändere mich ja selber, nicht nur die Rahmenbedingungen. Die Frage könnte ich nur objektiv beantworten, wenn ich nochmal 25 wäre und gerade anfangen würde. Wenn ich das Gefühl habe, dass es schwieriger geworden ist, dann gebe ich auch der Tatsache die Schuld, dass ich älter geworden bin. Ich habe jetzt andere Interessen, habe Familie – wenn es im Tritsch bis sechs in der Früh gedauert hat, das war mir wurscht. Heute muss ich schauen, dass ich irgendwann nach Hause komme, weil ich am Sonntagvormittag andere Aufgaben habe.

Text: Matthias Köb // Friendship.is
Fotos: Lukas Hämmerle // Friendship.is