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Rudolf Knünz
Mit dem Mindset eines Unternehmers

Gemeinsam mit seinem damaligen Geschäftspartner Stefan Pierer hat er die Motorradmarke KTM vor dem Untergang bewahrt. Er hat dem Skihersteller Kästle neues Leben eingehaucht – in der Phase, in der die Lehman-Pleite die Welt erstarren ließ. Und nicht nur das: Der Vorarlberger Geschäftsmann Rudolf Knünz investiert leidenschaftlich gerne in mittelständische Industrieunternehmen, deren Marken „spürbar“ sind.

Vom Büro der UIAG (Unternehmensinvest-Aktiengesellschaft) aus hat man einen weitläufigen Blick über die Dächer der Wiener Innenstadt. Rudolf Knünz teilt sich hier im vierten Stock eines herrschaftlichen alten Hauses mit seinem Partner Paul Neumann ein Zimmer. „Schreibtisch an Schreibtisch. Ich sehe mich eher als Sparring-Partner, weil ich die Erfahrung habe und er mal übernehmen wird“, so Rudolf Knünz über den wesentlich jüngeren Kollegen „mit dem richtigen Spirit: Er ist down to earth.“ Von hier aus stellt sich der Vorarlberger vermutlich Fragen wie „Ist dieses Unternehmen noch zu retten?“ oder „Hat es Sinn, in diese Marke zu investieren?“ Fragen, die nach Entscheidungen verlangen. „Und jetzt?“ ist die Frage, zu der er im September auf dem FAQ Bregenzerwald mit anderen diskutieren wird. „Wenn ich Entscheidungen treffe, lege ich Wert auf eine fundierte Analyse und die Situation der Zahlen, aber schlussendlich ist es eine Baucheinschätzung. Und natürlich baue ich auf einem Erfahrungsschatz auf, der es mir ermöglicht, Risiken und Chancen einzuschätzen.“ so Rudolf Knünz. Geht es um Entscheidungen im Team, sieht er seine Rolle differenzierter: „Bei KTM verstand ich von einigen Dingen, etwa im technischen Bereich, wenig. Da bestand meine Rolle darin, ein Gesprächsklima zu schaffen, in dem sich jeder getraut hat offen zu reden. Nur aus einer offenen Kommunikation heraus können gute Entscheidungen entstehen. Sobald es Grabenkämpfe gibt, Informationen zurückgehalten werden oder jemand blockiert ist weil er Angst hat zu reden kommen schlechte Entscheidungen.“

Wenn ich Entscheidungen treffe, lege ich Wert auf eine fundierte Analyse und die Situation der Zahlen, aber schlussendlich ist es eine Baucheinschätzung.

Drang, Wille und Mut zur Veränderung

Ein gutes Betriebsklima ist für Rudolf Knünz ein Klima der Offenheit und Ehrlichkeit. „Wichtig ist auch, dass Vorstand und Geschäftsführung motiviert sind und konstruktiv zusammenarbeiten – und ihre Entscheidungen sollten auch vom Eigentümer mitgetragen werden.“ Außerdem sei finanzieller Erfolg nicht das Hauptziel: „In Firmen, die toll geführt sind, geht es nicht in erster Linie um die Maximierung von Gewinn. Es geht darum, sich einbringen und weiterentwickeln zu können“, so Rudolf Knünz. Er ist Unternehmer aus Leidenschaft - und Tradition: Schon sein Großvater hatte ein kleines Unternehmen. Rudolf Knünz wuchs in einem Umfeld auf, in der seine Bezugspersonen die Selbstständigkeit als normales Modell vorlebten: „Ich wäre unfähig gewesen, in einem Großkonzern zu arbeiten. So war ich fast gezwungen, auf eigenen Füßen zu stehen.“ Er verfügt über dieses Unternehmer-Mindset, diese Kombination aus Eigenschaften, Werten und Einstellungen, die jemand, der unternehmerisch erfolgreich sein will, mitbringen sollte. „Dazu gehören der Drang, der Wille und der Mut Veränderungen zuzulassen und aktiv zu gestalten“, sagt er selbst. „In diesem Zusammenhang zitiere ich auch immer wieder gerne Voltaire, der gesagt hat: ‚Manchmal öffnet sich eine Tür in der Geschichte – dann musst du dich hindurchdrängen’. Wenn sich also eine Chance auftut, dann musst du auch bereit sein, sie zu ergreifen – sowohl im Beruflichen als auch Privaten.“

Ich wäre unfähig gewesen, in einem Großkonzern zu arbeiten. So war ich fast gezwungen, auf eigenen Füßen zu stehen.

Besetze eine Nische und bleibe beim Kerninhalt

Im Rahmen seiner Tätigkeit bei der UIAG konzentriert er sich auf mittelständische Industrieunternehmen. Typischerweise investiert die UIAG in Firmen, die etwas herstellen – PKW-Anhänger, Papierwaren. Produkte mit langer Gültigkeitsdauer: „Marken im Motorrad- und Skibereich haben zum Beispiel eine enorme lange Lebensdauer. Sie überleben teilweise Generationen.“ Was eine Marke zu einer guten Marke macht? „Es ist essentiell, eine Nische zu besetzen und beim Kerninhalt zu bleiben. Oft werden Marken so weit gedehnt, sodass sie sich verwässern. Da ist es besser, ein paar Jahre vom Markt zu verschwinden und dann wieder zum Kerninhalt zurückzukehren, als zu versuchen die Marke um jeden Preis zu melken“, so Rudolf Knünz. Und natürlich müsse hinter allem jemand stehen, der an sein Produkt glaubt. Der darauf stolz ist, es gerne herzeigt. Knünz erzählt von einem Freund der eine Glasfabrik besitzt und zuhause den besten Wein in angeschlagenen Ikea-Gläsern servierte: „Ich habe zu ihm gesagt: ‚Wenn nicht mal du selber deine eigenen Gläser verwendest, wirst du nie eine Marke aufbauen.“

Innovationsgeist und Heimatverbundenheit

Rudolf Knünz ist nicht nur in seinem Wiener Büro anzutreffen. Meistens pendelt er zwischen Wien und Vorarlberg, seiner Heimat – die auch die Heimat von Kästle ist: Hier produzierte und verkaufte man vor 90 Jahren die ersten Skier, damals noch unter der Marke „Arlberg“. Was im westlichsten Bundesland Österreichs geschieht konnte er in den letzten Jahrzehnten miterleben und beobachten. „Vorarlberg ist Mittelstand, wir haben keine Großindustrie. Aber wir hatten immer die Schweiz als Nachbarn, an der wir uns messen und von der wir viel lernen konnten. Es war auch schon früh der Wille da in die Welt hinauszugehen, weil der heimische Markt einfach zu klein war. Wir hatten immer schon innovative Produkte, die auch vom Land gefördert wurden. Und wir haben gute Clusters gebildet – früher musste man nach Wien um zu studieren, heute gibt es auch bei uns FHs.“ Abgesehen von seiner Heimatverbundenheit sieht sich Rudolf Knünz als absoluter Befürworter von EU und Euro: „Für mich ist die EU ein Friedensprojekt und ich bin besorgt über die aktuellen Entwicklungen. Was mich am meisten wundert ist, dass sich die Jungen da nicht mehr einsetzen: Sie können überall arbeiten, überall studieren, überall leben – Dinge, die es in meinem Leben früher nicht gegeben hat. Vielleicht schätze ich sie nun deshalb so sehr.“

Text: Martha Miklin // Friendship.is
Foto: Jana Sabo // Friendship.is 

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