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Jodok Batlogg
Wie wird die Zukunft?

Buzzwords wie Deep Learning, Big Data oder Internet of Things gehören zu seinem Grundwortschatz, die Beschäftigung mit Themen wie Digitalisierung und Künstliche Intelligenz ist sein Alltag. Aber auch ausgesprochen Analoges kann ihn begeistern, wie seine neu entdeckte Liebe zu Bienenvölkern zeigt. Was in Zukunft auf uns zukommt, weiß Jodok Batlogg, Unternehmer aus Vorarlberg und Inhaber eines erfolgreichen Technologie Start-ups im Silicon Valley.

Als Betreiber eines Technologie-Startups hast du Tag für Tag mit dem Thema Digitalisierung zu tun. Was kommt da auf Unternehmen zu?

Vorab: Die Digitalisierung kommt auf jedes Unternehmen zu, und zwar viel stärker als das jeweilige Unternehmen es glauben mag. Unternehmen, die den Weg der Digitalisierung nicht gehen, werden nicht konkurrenzfähig sein. Ich wüsste kaum Unternehmen, die davon nicht betroffen wären. Dabei geht es aber nicht nur um datenunterstützte Entscheidungen. Was einhergeht mit der Digitalisierung – und darum tun sich viele so schwer damit – sind neue Modelle der Mitarbeiterführung und der Chefkultur. Alles, was man in einem klassischen deutschen oder österreichischen Unternehmen findet, wird sich ändern. Digitalisierung ist weitaus mehr als „Ich speichere jetzt viele Daten im Computer“. Sie transformiert die Art, wie in Zukunft Geschäfte gemacht und Unternehmen geführt werden.

Wie wird sich die Digitalisierung auf Privatpersonen auswirken?

Man muss sich vorstellen, dass das Handy, das man in der Tasche hat, mehr Transistoren und Rechenpower hat als ein Computer vor wenigen Jahren. Im Fotoalbum auf meinem Handy sind 50.000 Bilder. Für Kinder ist das alles ganz normal. Ich sehe das positiv, weil unser Geäst verstärkt wird und uns Möglichkeiten gibt, die wir sonst nicht haben. Unser Leben wird vereinfacht. Künstliche Intelligenz ist momentan ein extrem heißes Thema. Da gibt es spannende Entwicklungen wie Deep Learning – dabei fängt die Künstliche Intelligenz an, sich selber weiterzuentwickeln. Oder Szenarios, in denen Mensch und Maschine zusammengeschlossen werden, also der Computer mit anderen Haptiken verbunden wird – und irgendwann mal mit dem Nervensystem.

Es heißt, dass Roboter in Zukunft viele menschliche Arbeiten übernehmen werden. In welchen Bereichen wird das der Fall sein?

Es gibt in Japan Pflegeroboter für alte Menschen. Es gibt Kuschelroboter für Leute, die sich nach Berührung sehnen. Und es ist nachgewiesen, dass diese Zusammenarbeit mit Robotern funktioniert. Heute ist noch völlig undenkbar, dass in Zukunft nur noch die Privilegierten von Menschen gepflegt werden, während das in den anderen Fällen Roboter übernehmen. Aber vor einiger Zeit gab es auch noch Liftboys, weil es für die Leute zu gefährlich war, allein Lift zu fahren. Dasselbe gilt für das Auto: Es ist heute für viele noch nicht wirklich denkbar, dass ein Auto selber fährt, aber das wird passieren. Auch künstliche Probleme, wie das Dilemma: ‚Was tut das Auto, wenn es sich zwischen dem Kind auf der Straße und der Oma auf dem Gehsteig entscheiden muss?’ werden in Algorithmen abgebildet sein. Und ja, es wird Tote geben, es wird Ungerechtigkeiten geben. Dennoch denke ich, dass es sich insgesamt zum Besseren verändern wird.

Vor einiger Zeit gab es auch noch Liftboys, weil es für die Leute zu gefährlich war, allein Lift zu fahren.

Im Film „Her“ verliebt sich der Hauptdarsteller Joaquin Phoenix in eine Künstliche Intelligenz, die nur als Stimme existiert. Die einen sagen, die virtuelle Welt verstärkt die Einsamkeit, die anderen sagen, sie ist ein Mittel gegen die Einsamkeit. Was sagst du dazu? 

Da gibt es Komplexitätsstufen, die für uns noch völlig unergründet sind. Was Gefühle betrifft, fangen wir erst an zu forschen. Ich glaube durchaus, dass es passieren kann, dass sich Leute, die sich einsam fühlen, mit KIs (Anm.: KI steht für Künstliche Intelligenz) unterhalten. Und ja, vielleicht kann es Seelsorgehotlines geben, bei denen KIs niederschwellige Beratungen durchführen. Von dem Punkt, dass eine KI ein Kind beaufsichtigen kann, sind wir allerdings noch meilenweit entfernt. KIs können mittlerweile Schach und Go spielen, aber das Spielen mit einem Kleinkind ist etwas ganz anderes. Wenn ein Großvater sich mit seinem Enkel oder seinem Hund beschäftigt, wird seine Hirnaktivität enorm gefordert. Hingegen gibt es nicht mal einen minimalen Ausschlag, wenn man einen Braintest am Computer macht. 

Neben all den technologischen Entwicklungen zeigt sich aber auch eine Sehnsucht nach dem Einfachen, Analogen, Handgemachten. Siehst du das als Widerspruch?

Nein, es geht eher darum, Balance zu halten. Für mich ist es toll, extreme Analogheit mit extremer Digitalisierung vereinen zu können, also einerseits im Silicon Valley zu sein, in diesem Fast-Pace-Amerikaner-Wahnsinn, und andererseits in den Wald oder auf den Berg zu gehen. In der Früh zum Heumähen und zu Mittag mit dem Technikchef von Amazon essen zu gehen – und dann wieder meine Bienen beobachten zu können. Es ist faszinierend zu sehen, wie so ein Bienenvolk funktioniert. Deshalb befasse ich mich derzeit intensiv damit.

Text: Martha Miklin // Friendship.is 
Fotos: Ian Ehm // Friendship.is

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