Sie sind eine Frau, die immer stark ihre Meinung vertritt und gesellschaftspolitisch sehr engagiert ist. War das immer schon so?
Nun, wann immer ich das Gefühl habe, dass ich von meiner Position aus etwas verändern kann wo etwas ungerecht ist oder dumm oder arrogant, dann sage oder tue ich etwas. Ich war schon in der Hauptschule Klassensprecherin, aber nicht, weil ich mich darum gerissen habe, sondern weil ich es als richtig empfunden habe. Also ja, für die Gerechtigkeit bin und war ich schon immer zu haben. Mir ist damals aufgefallen, dass manche Kinder aufgrund ihres elterlichen Status schlecht behandelt wurden, und das hat mir schon als Kind wehgetan.

Warum ist es so wichtig, sich für Gerechtigkeit einzusetzen?
Ich habe mir immer gedacht, dass man bei Sachen bei denen man spürt, dass sie nicht gut sind, etwas machen muss.

Nur die, die aus Feigheit nicht aufzeigen, die mag ich nicht so gern.

Den Leuten, die das nicht spüren, verzeihe ich das zumindest. Nur die, die aus Feigheit nicht aufzeigen, die mag ich nicht so gern. Dabei habe ich aber immer versucht, nicht auf Kosten von den Menschen, die nicht meiner Meinung sind, zu handeln. Nicht verletzend zu sein, sondern friedlich.

1987 haben Sie eine Verfassungsklage gegen das Ladenschlussgesetz, also fixe Ladenöffnungszeiten, eingereicht. Haben Sie dieses auch als Ungerechtigkeit empfunden?
Meine Ansicht war so: Wenn ich als Person im Geschäft sitze und arbeite – das darf ich ja – und es klopft jemand und will rein, dann muss es erlaubt sein, dass ich aufmache. Um zu plaudern oder auch um etwas zu verkaufen, wenn die Person das wünscht. Das ist ein Grundrecht und mir wurde damals auch Recht gegeben. So ist erst einmal der Samstag durchgegangen. Den Sonntag haben sie mir nicht durchgelassen, das finde ich immer noch nicht richtig. Ich finde, dass man in einem Land, wo die jüdischen Feiertag anders fallen als die muslimischen und christlichen, sein Geschäft eigentlich offen halten dürfen müsste, dass man Gesetze nicht nur nach christlichen oder römisch-katholischen Vorschriften formen darf. Da muss sich noch einiges ändern.