Kamille

Ist dagegen ein Kraut gewachsen?

Es gibt so Alltagsproblemchen, die wir alle kennen: Man kann nicht schlafen, man ist nervös vor einer Prüfung oder hat schlichtweg eine nervige Erkältung. Genau um diese Dinge wollen wir uns jetzt mal kümmern. Dabei setzen wir auf die Kraft der Natur, besser gesagt: auf die Kräuterexpertise von Karin Mähr. Zuvor wollten wir natürlich von ihr wissen, warum sie auf Heilkräuter schwört. Danach haben wir das Sprichwort „Dagegen ist kein Kraut gewachsen“ aus unserem Wortschatz gestrichen.

Du sagst, dass ihr seit 2007 – als du begonnen hast, dich mit Heilkräutern zu beschäftigen – kaum mehr beim Arzt wart. Können Kräuter die Schulmedizin ersetzen?

Nein, absolut nicht! Kräuter sind sehr wirkungsvoll, wenn man sie präventiv verwendet, um den Körper zu stärken. Wir sind viel seltener krank und haben die Schulmedizin daher bislang nicht mehr gebraucht. Aber sie ist absolut notwendig, und wenn ich ernsthaft krank werde, bin ich froh, dass es Medikamente gibt.

Also siehst du Kräuter nicht als Allheilmittel?

Ich bin der Meinung, dass man sehr vieles damit machen kann. Voraussetzung dafür ist aber, dass man achtsam und aufmerksam ist und darauf hört, was einem der Körper sagen will. Dann kann man früh genug reagieren. Kräuter sind einfach eine milde Medizin.


Ist Vorarlberg ein Kräuterparadies?

Ja, bei uns wächst fast alles. In jeder Wiese, die nicht gepflegt wird wie ein englischer Rasen, wachsen so viele Wildkräuter, dass man eigentlich für alle herkömmlichen Problemchen etwas findet. Man muss dafür auch nicht in die Berge – obwohl Kräuter wirksamer werden, je weiter oben sie wachsen.

Unsere Großeltern haben für fast jedes Wehwehchen ein Hausmittel gewusst. Hast du das Gefühl, dass dieses Wissen verloren geht?

Wir sind beziehungsweise waren auf dem Weg dahin. Aber gerade in Vorarlberg gibt es eine starke Tendenz, dass solche Dinge wieder in Erinnerung gerufen werden. Ich merke das alleine an der Nachfrage für meine Kurse. Zudem trifft man bei Schulungen immer wieder Menschen aus Deutschland oder der Schweiz, die erzählen, dass sich die Menschen in Vorarlberg überdurchschnittlich gut auskennen.

Hast du ein Lieblingskraut?

Da gibt es einige, beispielsweise die Brennnessel. Die weiß sich zu wehren, ist eines der wichtigsten Heilkräuter überhaupt und wird gleichzeitig komplett missachtet. Obwohl sie keiner will, hat sie jeder im Garten – aus gutem Grund! Daher sollte man sie auch verwenden und nicht kompostieren. Sie ist unter anderem sehr eisenhaltig, wirkt blutreinigend und blutbildend, kann Kalkablagerungen in den Gelenken lösen und bei Rheuma und Gicht helfen. Wenn mich eine Brennnessel sticht, weiß ich zumindest, dass es gesund ist. (lacht)

Das Kräuter-FAQ

Beim FAQ versuchen wir, Fragen zu finden, die uns alle betreffen könnten. Für unser „Kräuter-FAQ“ haben wir Karin mit sechs Situationen konfrontiert, für die das ebenso gilt.

Müdigkeit

Das hilft …
Frische Wildkräuter wie Bärlauch, Vogelmiere oder Brennnessel im Salat, in der Suppe, im Smoothie oder in einem Aufstrich.
Weil …
Viele Frühlingskräuter haben eine blutreinigende und entschlackende Wirkung und bringen uns so in Schwung. Bärlauch kann den Blutdruck senken und Magen, Darm sowie das Blut reinigen. Vogelmiere hat enorm viel Vitamin C. Auch die Brennnessel hat sechs Mal so viel Vitamin C wie eine Zitrone, mehr Eiweiß als grüne Bohnen und große Mengen Kalzium.

Schlaflosigkeit

Das hilft …
Drei bis fünf Tropfen ätherisches Lavendelöl und ätherisches Öl von der Atlaszeder in Rahm emulgieren und in ein Vollbad geben. Oder einfach je einen Tropfen der Öle auf ein Taschentuch tropfen und während des Schlafens neben das Kopfkissen legen.
Weil …
Lavendel wirkt entspannend und beruhigend. Atlaszeder bringt uns ins Gleichgewicht, kann Ängste vertreibt und Spannungen lösen.

 

Muskelkater

Das hilft …
50 ml Johanniskrautöl, dazu folgende ätherische Öle: drei Tropfen Cajeput, drei Tropfen Rosmarin/Kampfer, drei Tropfen Wacholderbeere, ein Tropfen Latschenkiefer und zwei Tropfen Lavendel. Diese Mischung kann man mehrmals täglich auf den betroffenen Stellen auftragen.
Weil …
Johanniskraut wirkt entzündungshemmend, schmerzlindernd und versorgt die Muskulatur mit Blut. Die ätherischen Öle unterstützen die Wirkung.

Erkältung

Das hilft …
Zu gleichen Teilen getrockneten Meisterwurz, Thymian, Kamille, Salbei und Rosmarin mischen, mit heißem Wasser aufgießen und kurz ziehen lassen.
Weil …
Die Teemischung wirkt entzündungshemmend, abschwellend und schleimlösend. Dadurch ist sie ein guter Helfer bei Schnupfen und anderen Erkältungssymptomen.

Völlegefühl

Das hilft …
Einen Liter Wasser, eine Zimtstange und ein daumengroßes Stück Ingwer zehn Minuten köcheln lassen. Danach den Herd ausschalten, einen Esslöffel Beifußkraut hinzufügen und drei bis fünf Minuten ziehen lassen. (Den Tee kann man drei Mal täglich vor oder zu Mahlzeiten trinken, nach einer Woche sollte man eine Woche pausieren. Für Schwangere ist der Tee nicht geeignet.)
Weil …
Bitterstoffe in Kräutern wie Beifuß oder Wermut wirken verdauungsfördernd, helfen bei Blähungen und Übersäuerung des Magens.

Nervosität und Prüfungsangst

Das hilft …
50 ml Mandelöl mit diesen ätherischen Ölen mischen: fünf Tropfen Mandarine rot, je zwei Tropfen Lavendel fein und Ylang Ylang und ein Tropfen Atlaszeder. Die Öle können einige Tage vor der Prüfung – oder sobald die Nervosität einsetzt – als Körper-Öl verwendet werden. An einem Taschentuch mit einem Tropfen der Mischung kann auch während der Prüfung immer wieder gerochen werden.
Weil …
Die Kombination dieser Öle wirkt entspannend, beruhigend, angstlösend und aufbauend.

 

Karin Mähr ist Architektin, Aromakologin und Lomi-Lomi-Nui-Masseurin. Seit 2007 beschäftigt sie sich intensiv mit Kräuterheilkunde und hat zahlreiche Kurse und Weiterbildungen besucht. Mittlerweile bietet sie selbst acht verschiedene Kurse zu Themen wie Kräuterrühren, Naturkosmetik oder Babypflege an. Alle Informationen und Termine finden sich auf ihrer Website

Interview: Matthias Köb // Friendship.is
Illustrationen: Isabella Gural // Friendship.is

Das Interview ist im Rahmen unserer Kooperation mit dem Magazin „B’sundrig“ von Sutterlüty entstanden. Der Artikel erschien erstmalig in der „B’sundrig“-Ausgabe April/Mai 2017.

Peter und Franz Fetz / FAQ Bregenzerwald / Gasthof Hirschen Schwarzenberg
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